Schwarzarbeit beim Fertighaus

Schwarzarbeit beim Hausbau

Zuerst die gute Nachricht – Wir haben einige Möglichkeiten für Hilfsleistungen ohne dabei die Grenzen der Schwarzarbeit zu überschreiten. Normalerweise sollten diese für uns reichen und das geht sogar mit Bezahlung. Allerdings versteht Vater Staat keinen Spaß, wenn diese Grenze überschritten wird.

Daher lest ihr im folgenden Artikel, was möglich ist und worauf ihr achten müsst.

 

Helfende Hände für das Fertighaus

Die Zinsen sind niedrig und alle Welt baut wie nie zuvor, aber merkwürdigerweise steigen die Kosten für Grundstücke und Handwerker enorm. Da verwundert es nicht, dass man mit Eigenleistung die Kosten senkt und so auch für die Muskelhypothek geltend macht.

Aber Eigenleistung kostet Zeit und das neben dem normalen Job. Oft helfen hier Nachbarn, Bekannte oder Familienmitglieder und rücken mit Zollstock, Hammer und weiterem Werkzeug an, um dem Häuslebauer unter die Arme zu greifen. Aber wo hört Hilfe auf und wo fängt Schwarzarbeit an?

Nicht zuletzt muss auch die Frage geklärt werden, was die Nachteile der Schwarzarbeit sind. Die können nämlich echt teuer werden und bei einem Unfall sogar ruinös sein.

 

Wichtig: Ihr seid in der Bauphase Unternehmer mit allen Pflichten.

Laut Gesetzt wird der Hausbauer in der Bauphase zum Unternehmer und damit verbunden sind Rechte und Pflichten. Ihr untersteht damit auch einer Behörde, der BG Bau und müsst über geleistete Arbeitsstunden von Helfern, bezahlt oder unbezahlt, ein Bautagebuch führen.  Helferstunden müssen mit einer Stundenpauschale für den Unfallschutz bezahlt werden.

 

Freunde, Bekannte oder Familie hilft kostenlos beim Hausbau

Rücken Freunde und Bekannte mit Zollstock und Pinsel in eurem Haus an, ohne dafür Geld haben zu wollen, dann ist das keine Schwarzarbeit. Da ist es auch egal wie viele Stunden oder Personen an der Bauhilfe beteiligt sind.

Allerdings müsst ihr bei einer Kontrolle auch glaubhaft versichern können, dass keine Gelder unter der Hand gezahlt werden. Das wird besonders schwierig, wenn ihr kein Bautagebuch führt und die BG Bau nicht informiert. Dann riecht das förmlich nach Schwarzarbeit. Beim Zoll gibt es dafür sogar extra Abteilungen…  Als wenn man es als Bauherr nicht schon schwer genug hat…

Generell gilt, alles muss im Bautagebuch festgehalten werden.

Wichtig: Bei helfenden Freunden greift die private Haftpflicht nicht. Geht etwas kaputt, müsst ihr das untereinander klären.

 

Ein Tausch von Arbeitszeit ist keine Schwarzarbeit

Das ist eine richtig gute Idee und vor allem völlig legal. Der Tausch von Handwerksstunden ist weder strafbar, noch Steuerhinterziehung oder Sozialbetrug. Wie ihr tauscht bleibt euch überlassen.

Ich könnte jemandem für 100 Stunden helfen und wenn ich nächstes Jahr selber baue, würde er die 100 Stunden abarbeiten. Das kann auch Elektro gegen Heizung, oder Trockenbau gegen Außenanlage sein.

Allerdings müsst ihr das festhalten, damit ihr bei einer Kontrolle das Tauschgeschäft belegen könnt.

Oft macht man das im Freundeskreis eh so, daher finde ich das als Basis für Bauhilfe eine echt gute Variante.

 

Bauhelfer bezahlen oder ist das Schwarzarbeit?

Nun wird es interessant. Darf man einen Helfer bezahlen?

Ja, aber es gibt etwas zu beachten. Es darf kein normaler Lohn sein, sondern die Anerkennung der Hilfe sollte im Vordergrund stehen. Daher darf auch nicht nach Stunden abgerechnet werden. Passt besonders auf, wenn das die Helfer öfters machen, dann riecht es nach Schwarzarbeit.

Wenn ihr also jemanden 50€ in die Hand drückt, weil er saudreckig ist und 30 Km Anfahrt hatte und sagt: Zum waschen, für die Fahrtkilometer und lad deine Frau mal ins Kino ein, dann ist das in Ordnung.

Es darf nicht die Absicht der gewinnbringenden Tätigkeit im Vordergrund stehen. Das ist wichtig.

 

Ab wann ist es Schwarzarbeit?

Sobald Gewinnabsichten erkennbar sind, die nicht offiziell sind. Sobald die Tätigkeit des oder der Helfer den Anschein eines gewerbsmäßigen Nebenverdienstes machen ohne das eine Rechnung kommt, dann könnt ihr von Schwarzarbeit ausgehen. Dazu zählen auch Anzeigen wie: Polnischer Maler tapeziert günstig, außer er macht das wirklich offiziell mit Gewerbe und Rechnung.

 

Teils offiziell und teils unter der Hand

Um den Schein zu wahren, gibt es zum offiziellen Teil der Bauleistung noch den unter der Hand. Sagen wir 50% sind offiziell und der Rest Bar auf die Kralle, wie man so schön sagt. Auch das ist natürlich Schwarzarbeit.

 

Was passiert bei Schwarzarbeit?

Unwissen schützt vor Strafe nicht und ihr solltet euch immer über die aktuelle Rechtslage erkundigen. Die Urteile der Gerichte tendieren immer mehr gegen Schwarzarbeit, insbesondere bei Reklamationen und Schäden aller Art. Früher war man hier wohl deutlich nachsichtiger.

Grundsätzlich ist es Steuer- und Sozialbetrug. Die Kontrolle erfolgt vom Zoll, der eigens für Hausbauer eine Abteilung hat. Auch die BG Bau kontrolliert und könnte die Informationen zum Zoll weitergeben, wenn sie der Meinung sind, dass es sich um Schwarzarbeit handelt.

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit, wie sie sich nennt, ist aber recht überlastet und führt in Betrieben immer weniger Kontrollen durch. Der Privatsektor kann wohl auch nur Stichprobenartig kontrolliert werden. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass diese Behörde nun auch noch den Mindestlohn kontrolliert und Stellen unbesetzt sind.

Das mag für Bauherren erst einmal gut klingen, aber es gibt einige Nachteile die echt hart die Geldbörse treffen können.

 

  1. Reklamation ist einklagbar, aber….

Habt ihr schwarz einen Heizungsbauer die Heizung einbauen lassen und es entsteht ein Wasserschaden oder etwas geht kaputt, muss er das nicht reparieren und ihr könnt es nicht einklagen. Bar auf Kralle hat keinen gültigen Auftrag zugrunde und Gerichte erkennen das nicht mehr an. Wenn ihr Glück habt, macht der Heizungsbauer den Schaden weg, verlangt aber erneut Geld.

 

  1. Versicherungsprobleme bei Schwarzarbeit

Ist der Heizungsschaden ein Versicherungsfall, z.B. mit einem Wasserschaden, dann wollen diese gerne sehen, wer das eingebaut hat und ob es eine Fachfirma war. Da seid ihr in der Nachweispflicht. Im schlimmsten Fall wollen die dann nicht, oder nur einen Teil zahlen. Da ihr keinen Vertrag habt, könnte das ähnlich enden wie Punkt 1.

Das gilt natürlich auch für andere Gewerke und Leistungen auf der Baustelle.

 

  1. Ihr müsst nicht zahlen

Ja, Schwarzarbeit hat auch andere Seiten. Ihr müsst den Handwerker nicht bezahlen und er kann das nicht einklagen. Hört sich gut an, aber wer die kriminelle Energie für Schwarzarbeit hat, zieht evtl. auch andere Optionen in Betracht…

Auch wenn euch der Auftragnehmer getäuscht hat und vorgeben hat, er arbeitet legal, müsst ihr nicht zahlen. In jedem Fall solltet ihr das Anzeigen und mit eurem Rechtsanwalt absprechen.

 

  1. Die Unfallversicherung bei Schwarzarbeit ist auch problematisch

Grundsätzlich sind alle Unfallversichert und wenn dem Handwerker beim schwarz arbeiten etwas passiert, wird er auch ganz normal versorgt. Stellt sich dabei aber heraus, dass es während der Schwarzarbeit passiert ist, dann kann sich die Versicherung ihr Geld vom Auftraggeber zurückholen.  Das kann echt extrem teuer werden. Außerdem kann sich die Versicherung die Beiträge rückwirkend für 4 Jahre geltend machen.

Wenn ihr dazu auch kein Bautagebuch geführt habt, sowie die Stunden bei der BG Bau abgerechnet habt ( man gibt da sicherlich an, dass hier kostenlos geholfen wurde )  und der Schwarzarbeiter bleibende Schäden zurück behält oder Berufsunfähig ist, hat das weitere Konsequenzen.

Bei Schwarzarbeit hat der Angestellte eher schlechte Karten, aber das könnte bei einer Gerichtsverhandlung auffliegen. Zahlt man an die BG Bau die 2€ pro Stunde und sagt, es war kostenlose Hilfe ist es Betrug, würde aber durchgehen, solange beide Parteien bei der kostenlosen Variante bleiben.

 

Typisch deutsche Rechtssprechung…

Der Auftraggeber hat auch bei Schwarzarbeit ein Recht auf ordentliche Arbeit und kann das einklagen. Ich dachte zuerst, es wie bei der Reklamation bei Punkt 1 sei, aber man darf tatsächlich klagen und kann gewinnen.

Die Gerichte leiten das aber weiter an den Zoll…

 

 

Fazit Schwarzarbeit

Es lohnt sich noch immer, da die Einsparungen enorm sind und sofern sich beide Seiten einig sind, wird auch kaum was auffallen. Ein Restrisiko bleibt, aber das ist wie beim Lotto.

Nur muss man sich fragen, ob das als Häuslebauer sinnvoll ist. Es gibt mehrere legale Möglichkeiten, die für Kleinbaustellen völlig ausreichen. Natürlich will man bei Schwarzarbeit sparen, aber um jeden Preis? Verstehen tu ich es, aber rate davon ab.

 

 

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