Baufinanzierung – Der große Guide zum Baukredit

Der Weg zum perfekten Baukredit

Aus der Sicht des Bauherrn

Mit Muskelhypothek und Förderungen kannst du bis zu 100.000€ sparen.

Kennt ihr die Reserveoption? Was hat die Bauherren Rechtsschutzversicherung mit einem Baukredit zu tun und warum sollte man sich die eigene Schufa Auskunft holen? Ihr wollt wirklich einen Kredit aufnehmen, wofür man 2-3 Ferraris kaufen könnte? Macht sich da grad Nervosität breit? Dagegen hilft nur eine solide Finanzierung.

Wir haben natürlich überlegt, was wollen wir und was wird es kosten. Aber im Anfangsstadium überblickt man noch nicht alles. Schnell wurde klar, der einfache Gang zur Bank reicht nicht.

Denn: Eine Bank berät dich nicht, sondern verkauft ihre eigenen Produkte. 

 

Aber wie macht man es richtig?

Darüber möchte ich euch heute informieren und wir haben die Phasen bereits hinter uns. Es wird mehr als ihr denkt, aber so kommt ihr an den günstigsten Kredit und nein, da gibt keine Minus 0,4% 😉

 

Schritt 1: Kassensturz

Bereits hier beginnen die ersten Stolperfallen. Einmal im Jahr bekommt man die Schufa Auskunft kostenlos. Nirgends steht geschrieben, dass diese Prominent erreichbar sein muss…. Die findet man unter dem Begriff „Datenkopie“… und dort ist eine einfache Ausführung zu finden. Damit ihr nicht suchen müsst, hier der Link:

https://www.meineschufa.de/index.php?site=11_3

Ob ihr die kostenpflichtige braucht, müsst ihr wissen. Versucht es mit der kostenlosen und wenn es sein muss, dann erweitert. Wir haben erweitert und die 58€ waren gut angelegt.

Preis für die kostenpflichtige Version:

10€ einmalig, danach 4€ / Monat für mindestens 1 Jahr. Achtung: Automatische Verlängerung, also rechtzeitig kündigen.

Baukredit Baufinanzierung
Baukredit Baufinanzierung

Deshalb ist die Schufa Auskunft so wichtig:

Bei uns standen noch Altlasten drin. Ein TV Gerät und Auto, aber beides schon ewig bezahlt. Holt eine Bank diese Auskunft, weiß die das nicht und außerdem fließt das in euer Scoring ein. Bei uns waren das 9.000€, also eher wenig. Aber jemand anderes hat da vielleicht 50.000€ zu stehen. Das hat dann folgende Konsequenzen:

  • Dein Scoring ist schlecht und du bekommst bei deiner Finanzierungshöhe Probleme
  • Dein Kreditzins wird höher, weil du ja scheinbar noch weitere Schulden hast

Daher räume vorher alle Unklarheiten aus dem Weg, bevor du zur Bank gehst. Bei uns waren das einige Telefonate und ging recht reibungslos. In der Schufa steht ja auch die Bank drin, man ruft dort an, wird weiter vermittelt und die klären das.

 

Schau deine bestehende Verträge durch

Wir haben uns mal hingesetzt und alle Beträge geprüft, die wir im Monat so bezahlen. Besonders die Mogelkom war extrem dreist… Aber auch andere Sachen haben wir um Netz mal gegen gecheckt und ich meine, wir haben es auf 120€ weniger Ausgaben geschafft. Das sind knapp 1500€ im Jahr oder 45.000€ innerhalb einer Kreditlaufzeit von 30 Jahren. Das lohnt sich also schon.

 

Muskelhypothek?

Auch diese Frage müsst ihr für euch klären. Wieviel will man selber machen und nutzt das für eine Muskelhypothek? Das spart Geld und auch etwas Zinslast. Hier sind 10-25.000€ realistisch, mit befreundeten Helfern auch mehr. Könnt ihr euch dadurch 20.000€ an Handwerkerstunden einsparen, müsst ihr etwa 30.000€ weniger zurückzahlen.  Bedenkt aber, dass ihr für Helfer ein Bautagebuch führen müsst und die Stunden kosten Versicherung. Tatsächlich gibt es noch einen Ost- und Westtarif…. Ich rate euch, das auch zu machen. Denn falls ein Unfall passiert, sollten eure Freunde und Familie abgesichert sein. Dazu gehört auch, dass ihr für Sicherheit sorgt.

Alle Details, Rechenbeispiel und welche Probleme es bei der Muskelhypothek gibt, habe ich euch in einem Video zusammengefasst:

Flohmarkt

Will man wirklich alles mit in das neue Haus nehmen? Wie wäre es mit einer Entrümpelung? Wir haben gut 2.500€ zusammen bekommen, hauptsächlich über Ebay Kleinanzeigen. Der Vorteil ist, die Leute kamen zu uns und man hat wenig Aufwand.

Und ja, man sollte auch mal schauen, was die Barmittel machen oder ob Bausparer da sind. Ist aber erst der letzte Schritt, da man ja nun aus allen Punkten zusammenrechnet. Dann sähe die Rechnung etwa so aus: 45.000€ + 30.000€ + 2.500€ sind 75.500€ Differenz!

Selbst wenn das nur gerundet oder weniger ist, das macht sich stark bemerkbar. Vor allem ist es gut für die Liquidität und damit dem Zinssatz.

 

Fördermittel – Dem geschenkten Gaul…

Das ist ein großes Feld und ihr solltet euch da beraten lassen. Nicht zuletzt, weil es Fristen und Stolperfallen gibt.

Nur um euch einmal zu zeigen, was möglich ist, hier die Basics dazu:

  • Von der KfW bekommst du einen sehr günstigen Zinssatz zu 0,75 % bei 120.000€
  • Je nach Stufe 55, 40 oder 40+ gibt es 18, 24, oder 30.000€ Tilgungszuschuss.
  • Du musst aber einen Energieberater mit Bafa Eintrag nehmen, der immerhin zu 50% gefördert wird.
  • Auch die Landesbanken vergeben zinsgünstige Kredite, teilweise auch noch mit weiteren Förderungen. Besonders Familien stehen da im Focus.
  • Teilweise gibt es regionale Förderungen

Euer Problem wird, das die Bank zwar KfW und Bafa vermittelt, aber daran nichts verdient. Die muss ihre Kosten auf eine viel kleinere Kreditsumme umlegen und teilweise lohnt sich das nicht. Dann lehnen die den Kredit auch ab. Ihr könnt dann nur versuchen zu verhandeln, mehr Geld aufnehmen oder müsst einen Partner suchen, der das dennoch finanziert.

 

Was brauche ich, was gönne ich mir?

Es lohnt sich zwar an der Stelle noch nicht, sich konkrete Angebote einzuholen, aber man sollte man schauen, was ein Haus bezugsfertig kostet. Zumindest mal im Groben. Dazu noch, wie die Preise bei den Grundstücken sind. Ebenfalls solltet ihr überlegen, ob ihr noch besondere Dinge wünscht. Garage, Keller, Gartenhaus, Einliegerwohnung, Glasfronten, Anbauten usw.

Ebenfalls solltet ihr die Nebenkosten im Blick haben. Baut man energiesparend und vielleicht mit Photovoltaik, damit man 200€ Energiekosten im Monat spart? Denn auch die laufenden Kosten spielen für euch eine Rolle. Die werden zwar eingerechnet beim Kredit, zählen aber nicht direkt. Die könnt ihr aber vielleicht für Sondertilgungen nutzen.

 

Eigenkapital und Muskelhypothek

Nun, wo ihr den Kassensturz hinter euch habt und wisst, was ihr in etwa möchtet, geht es an das Eigenkapital. Durch die niedrigen Zinsen braucht man nicht mehr soviel wie früher, aber je mehr, desto besser. Denn früher war der Hausbau günstiger, aber Zinsen bei 10% und da waren die Verhältnisse anders.

Aber 20.000€ sollten es mindestens sein. Denn nicht alle Kosten werden beim Hausbaukredit abgedeckt. Der bedient nur das, was dem Haus einen Mehrwert bringt. So gehören Baustrom, Bauwasser, Mietklo oder Gebühren nicht zum Baukredit.  Das müsst ihr selber stemmen. Dabei hilft auch die Muskelhypothek nicht, da diese ja nur eine  Arbeitszeitgrundlage ist. Je nach Größe des Grundstücks solltet ihr dafür 10.000€ einrechnen.

Außerdem sollte man immer etwas Reserve haben, daher eher die 20.000€. Dennoch ist mehr besser, denn darauf werden auch die Zinsen berechnet. Die besten Konditionen erhaltet ihr bei etwa 50% Eigenkapital und bis 20% Eigenkapital gibt es immer noch vernünftige Zinsen. Müsst ihr also über 80% finanzieren, gehen die Zinsen stark hoch.

Nehmt ihr noch Muskelhypothek dazu und bekommt 24.000€ Tilgungszuschuss für KfW40, 35% Bafa für Heizung usw., kommen mit Eigenkapital schon einige Prozent zusammen. Das sollte für günstige Zinsen reichen. Und glaubt mal, 1% mehr Zinsen bei einer Summe von 300.000€ und 25 Jahren, sind etwa 42.000€ zusätzlicher Zinsen.

Die Muskelhypothek kommt dann on Top zum Eigenkapital obendrauf.

Beispiel: Ihr habt 20.000€ Eigenkapital, wovon aber nur 10.000€ zur Wertschöpfung beitragen. Dazu 25.000€ Muskelhypothek und euer Bauvorhaben kostet 350.000€. Damit liegt ihr bei 35.000€ Eigenkapital, also etwa 10%. Das wird der Bank kaum reichen, damit ihr einen guten Zinssatz bekommt, was den Baukredit teurer macht. Die vernünftigen Zinssätze gehen erst ab etwa 20% Eigenkapital los.

Meine Tipps:

  • Fragt euren Bankberater, wann es bessere Zinsen gibt und versucht das zu erreichen. Bei den aktuell extrem niedrigen Zinsen mag das nicht so dramatisch sein, aber nach der Sollzinsbindung könnte es teuer werden.
  • Nutzt alle Fördermöglichkeiten! Alles was ihr dabei durch bessere Zinsen, Tilgungszuschüsse, Kindergeld usw. erzielt, senkt euren Kredit gegenüber der Bausumme.

 

Baufinanzierung ohne Eigenkapital

Das geht auch, teilweise mit Tricks und ich habe schon mehrfach gehört, dass es gut klappt. Vorzugsweise hat man schon ein Grundstück und / oder Sicherheiten. Aber wenn es nicht klappt, hängt es wohl auch keiner an die große Glocke. Vor allem die Muskelhypothek wird da großzügig eingerechnet und dann die Fördergelder. Aber das sind eben keine Barmittel, die man anderweitig nutzen kann.

Es darf halt nix oder nur wenig schieflaufen. Mein Tipp wäre hier, versucht eine Reserveoption beim Kredit zu bekommen, falls es teurer wird. Sonst wird die Nachfinanzierung kritisch und teuer. So ist man zumindest teilweise gut abgesichert.

Ein vernünftiger Weg sind Fördermittel:

Zwischen Werbung und Realität

Zuerst geht es mal darum, euer Interesse zu wecken. Man nennt das einen Türöffner und da stehen dann 0,3% Baufinanzierung ( ich habe auch schon 0,18% gesehen )  und…. Naja, das sind die 1a Konditionen, wenn ihr 40-50% Eigenkapital habt. Deswegen steht da oft „ab“ oder ist ein Sternchen dahinter. Dort werdet ihr auch kaum bei anderen Optionen handeln können. Gewöhnt euch da an den Satz: Das kostet extra. Daher immer vergleichen und den Beratern das unter die Nase reiben. Nur nicht zu oft, sonst fällt es auf.

 

Vorbereitung zum Bankgespräch

Wichtig: Eine Bank berät nicht, sondern verkauft ihre Produkte!

Zuerst solltet ihr euch überlegen, wie ihr anfangen wollt. Im Internet bekommt man erste Eindrücke, wo der aktuelle Zinssatz zu welchen Konditionen liegt. Sucht einen Baukredit mit Sondertilgung, langer Zinsbindung und Reserveoption. Dann bekommt ihr Richtwerte.

Mit wem finanzieren?

  • Der beste Ansprechpartner ist meist die Hausbank, die muss aber nicht die Günstigste sein. Aber man kennt sich meistens und hat ein Grundvertrauen.
  • Es gibt Kreditvermittler, die vergleichen viele Anbieter und suchen euch etwas Passendes heraus.
  • Oft versuchen auch die Hausanbieter ein Geschäft zu machen und haben einen privaten Kreditvermittler. Kann gut sein, aber ist oft von Berater zu Berater unterschiedlich. Unserer wollte uns die KfW ausreden. Das hat er so hartnäckig getan, dass er schnell raus war.
  • Vielleicht habt ihr einen Bausparer und könnt dort mal nach einem Termin fragen.
  • Es gibt auch spezielle Kreditvermittler für Hausbau Finanzierung. Da wir bei der ING sind, waren wir bei deren Partner, der Interhyp. Oft fällt auch Dr. Klein als Kreditvermittler.
  • Zum Schluss haben wir bei der Interhyp den Vertrag gemacht, da uns die Vermittlerin sehr gut beraten hat. Interessanterweise war es die Sparkasse, die die beste Lösung für uns war.

In jedem Fall empfehle ich, dass ihr 2 Optionen ins Auge fasst. Hausbank und Interhyp / anderer Kreditvermittler für Hausbau sollten es mindestens sein. Der Rest ergibt sich. Macht zuerst dort zwei Termine.

Wichtig: Da jeder anders berät, merkt man schnell, was man selber will. Jeder versucht natürlich mit seinen Vorteilen zu punkten und je mehr Gespräche, desto größer der Kontext.

 

Zum Erstgespräch mitbringen:

  • In jedem Fall solltet ihr vermeiden, dass ein Berater denkt, ihr seid nicht vorbereitet. Kauft euch ruhig einen guten Ordner, legt wichtige Infos mit hinein und „zufällig“ kann da auch mal ein Blatt von einem Mitbewerber dabei sein….
  • Dann natürlich eure Hausvorstellung und die Kosten, die da auf euch zukommen. Falls ihr schon Angebote habt, diese mitbringen.
  • Wichtig sind auch Daten zum Grundstück. Es ist was anderes, wenn man in München baut oder auf einem Dorf. Das ist auch eine Sicherheit, wenn das Haus zukünftig eine gute Lage hat.
  • Eine Checkliste macht auch einen guten Eindruck, wie auch die eigene Schufa Auskunft.
  • Schaut, ob ihr ein Angebot im Internet mit sehr guten Konditionen findet und druckt das aus. Am besten, wenn es auch von einer namenhaften Bank kommt.
  • Falls ihr eine Bauherren Rechtsschutz wollt, informiert euch auch dazu
  • Nehmt Unterlagen zu den Förderungen mit und schaut nach deren aktuellen Konditionen

 

Interessant: Der Unterschied von 0,1% macht bei 300.000€ auf 25 Jahre etwa 4.200€ aus.

 

Das Bank- oder Vermittlungsgespräch

Euch gegenüber sitzt ein Profi und der versteht es zu überzeugen. Das fängt schon mit einer angenehmen Atmosphäre bei einem Kaffee an, oder auch so Phrasen „unter uns gesagt“, also Vertrauen schaffen. Aber es geht für beide Seiten um ein riesiges Geschäft. Der eine für einen guten Abschluss, für euch ist es die Lebensinvestition. Da zählt kein Kaffee oder guter Smalltalk. Daher hier einige Tipps.

  • Macht euch ruhig eine Checkliste, was ihr wollt und vielleicht auch, was ihr dazu im Netz gefunden habt. Aktuell sind die Zinsen im Keller, aber das kann sich ändern. Prüft das nach!
  • Zumindest solltet ihr folgendes klären: Zinsen, Zinsbindung, Sondertilgung und welche Möglichkeiten ihr habt, wenn das Budget nicht reicht.
  • Sicherlich sind auch folgende Punkte wichtig: Reserveoption, Ratenpause und wie man den Kredit absichern kann.
  • Fragt nach der Restschuldversicherung. Wenn man euch diese verkaufen will, obwohl ihr eine Berufsunfähigkeitsversicherung habt, seid vorsichtig. Prüft genau, ob und was euch diese Versicherung bringt und wann diese zahlt. Da können die Inhalte stark abweichen. Im Zweifelsfall sucht euch ein Forum oder Facebookgruppe zu Finanzfragen und lasst euch helfen. Am Ende ist die Frage, ob der Mitarbeiter euch seriös berät.
  • Klärt auch wie sich das mit den Förderungen verhält. Wenn ihr von KfW und Landesbank 220.000€ bekommt und ihr nur 250.000€ braucht, wird die Bank kaum mitmachen. Die verdienen dann zu wenig.
  • Lasst euch immer sagen, was ihr zurückzahlen müsst. Das wollen die nur ungern sagen. Daher sagen die meist – Ihr Kredit sind 300.000€. Aber es sind ja 300.000€ zzgl. Zinsen und Gebühren. Da hört es sich schon anders wenn man gesagt bekommt: Sie müssen dann 400.000€ zurückzahlen oder 450.000€.
  • Klärt eine Umschuldung ab. Wir hätten damals zu etwa 1,5% gebaut, was schon arg krass war, aber kamen dank Mischzins der KfW auf 1 oder 1,1%. Vorhin hat mir der Bauzinsrechner 0,5% angezeigt. Nehmen wir mal 1,5 zu 0,5% auf 25 Jahre und 300.000€, dann würde dieses 1% 40.000€ ausmachen. Damit habt ihr jährlich 1.600€ mehr in der Urlaubskasse.
  • Nichtabnahmeentschädigung ist auch so eine Sache, die man nicht auf dem Radar hat. Wenn ihr zu großzügig aufnehmt und den Kreditrahmen nicht ausschöpft, dann zahlt ihr eine Art Gebühr als Entschädigung.

Habt keine Angst den Kredit nicht zu nehmen oder zu sagen, dass ihr euch noch anderweitig erkundigt. Es ist eure Lebensinvestition und es ist einfach so, dass man alle Mittel ausschöpfen sollte. Vor allem unterschreibt nie am selben Tag! Schlaft in Ruhe mal drüber oder gönnt euch einen ruhigen Abend und besprecht es.

 

Auf diese Konditionen solltet ihr achten:

  • Schaut auf die Zinsen. Nutzt dazu einen Zinsrechner für Baukredite wie https://baugeld.rechner.handelsblatt.com/rechner/handelsblatt2/schnellcheck.aspx und tragt eure Wunschkonditionen ein. So habt ihr einen Vergleich beim Bankgespräch.
  • Die Zinsbindung ist eine Art Zockergeschäft der Bank. Aktuell liegt der Zinssatz bei 0,7%, was für die Bank sehr schlecht ist und für euch gut. Eigentlich kann der Zins nur nach oben gehen, also versucht man, dass die Zinsbindungsfrist klein ist. Vorzugsweise 5 Jahre. Steigen die Zinsen in den 5 Jahren, müsst ihr neu verhandeln und die Bank verdient richtig Geld, dass ihr zahlt. Stellt euch mal vor, der Zins steigt auf 2,7%, das sind Zehntausende Euro mehr Zinsen für euck. Daher in dieser Niedrigzinsphase auf 10 oder besser 15 Jahre Und lasst euch nicht einreden, dass sie deswegen hohe Mehrzinsen nehmen müssen. Ist ein Poker und daher mehrere Gespräche mit unterschiedlichen Anbietern führen.
  • Sondertilgung ist oft nicht im Angebot drin, dass müsst ihr ansprechen. Eigentlich sollten 5% OHNE Zinsaufschlag drin sein. Vorteil ist, wenn ihr den Kredit abbezahlen wollt, muss die Sondertilgung auf die Entschädigungszahlung angerechnet werden.
  • Sprecht eine Reserveoption von 5-10% Es ist durchaus möglich, dass ihr diese ohne Gebühren und Zinsaufschlag bekommt. Ist auch etwas Verhandlungssache. Wenn ihr diese dann später nutzen müsst, ist das deutlich günstiger als eine Nachfinanzierung
  • Die Bereitstellungszinsen sind meist deutlich teurer, als die Tilgungszinse und können bis zu 4% betragen. Wenn sich am Bau was verzögert, kann das echt teuer werden. Ruft ihr 200.000€ im ersten Jahr nicht ab und habt 3%, sind das 6.000€. Versucht diese Zinsen auf 1-2% zu drücken.
  • Achtet darauf, dass man euch keine unsinnigen Optionen andreht, die dann vielleicht noch teuer sind. Stichwort Restschuldversicherung. Prüft das immer genau!

 

 

Wie sichert man sich am besten ab?

Seit einigen Tagen ist nun der kleine Lockdown aktiv und wieder trifft es Arbeitnehmer, die nun um ihren Job zittern. Selbst in erfolgreichen Branchen kann es zum Jobverlust kommen und so einfach findet man keinen Ersatz. Manchmal braucht es eben einige Monate. Aber Kinder, Krankheit, Unfall oder andere Lebensereignisse können Veränderungen mit sich bringen. Da ist Sicherheit wichtig und das ruft auch unseriöse Kandidaten auf den Plan.

Daher hier einige Tipps:

  • Der beste Weg ist immer noch, wenn man Rücklagen für 3, 6 oder besser 12 Monate hat. Damit ist man ungebunden und es kostet nix. Da man aktuell auch keine Zinsen bekommt, eine gute Option. Natürlich könnte man das Geld auch anlegen, aber man sollte darauf zugreifen können.
  • Berufsunfähigkeitsversicherung – Das ist wohl die beste Versicherung, um sich finanziell abzusichern. Dabei geht es nicht nur um den Kredit, sondern generell die Lücke nach einem Unfall zu schließen.
  • Die Risikolebensversicherung sichert beim Todesfall den Partner ab. Immerhin reden wir hier von Kreditlaufzeiten von 20 oder gar 30 Jahren. Beim Wegfall eines Einkommens, kann die Rate für ein Haus eine echte Herausforderung für eine Einzelperson sein.
  • Restschuldversicherung – Hört sich gut an, aber selbst die Bafin sieht das kritisch. 2015 gab es etwa 8,2 Millionen Verträge in D. und nur 5.000 Fälle. Vor allem wird das vielen Kreditnehmern untergejubelt, die das gar nicht brauchen. So fragt man bei der Kreditvermittlung oder im Beratungsgespräch nicht, ob man eine Unfallversicherung hat und bietet eine Restschuldversicherung an. Hat man eine Berufsunfallversicherung, bringt die Restschuldversicherung ansich gar nichts. Der Berater freut sich nur über mehr Provision und die Bank ist sicherer.
  • Liquide bleiben hilft auch bei unerwarteten Ereignissen. Vielleicht geht unerwartet die Heizung kaputt, es kommt eine hohe Rechnung oder etwas nicht Vorhersehbares. Dann ist es gut, wenn man Geld von der Bank bekommt oder etwas hat, dass man verkaufen kann. Das kann auch ein Grundstück sein, Wertgegenstände, Aktien oder ein Bausparer.
  • Es gibt Optionen beim Baukredit, die euch Luft verschaffen. Ratenpausen ist da wohl das häufigste Thema. Allerdings ist das immer in den Zinsen eingepreist. Es kann also sein, dass der Zinssatz dann etwas höher ist.

Man kann nicht alles aus dem Weg räumen, aber sich zumindest so gut absichern wie nur möglich. Dabei sollten auch unangenehmen Themen wie Tod, Unfall, Scheidung oder Jobwechsel kein Tabu sein.

 

Wir, der Baukredit und der BHW Berater

Als wir nach Aschaffenburg zu unserem Hausverkäufer wollten, fragte er uns vorher, ob er einen Kreditberater mitbringen darf. Natürlich sagten wir, aber auch, dass wir da eigentlich schon etwas haben. Unser Bausparer lief bei der LBS, also lag es nahe, den Hauskredit dort zu machen. Oder vielleicht nicht?

Grundsätzlich war die Kombi aus Hausverkäufer und Vermittler gut. Man hat ja seine Wünsche, man merkt, wie sich das preislich entwickelt und der Kreditvermittler schaut, ob das finanziell passt und welche Bank das zu guten Konditionen anbietet. Da er eine ganze Reihe Banken über die Software im Blick hat, ergeben sich da einige interessante Unterschiede.

Bei der LBS war der Berater etwas träge und er musste ständig bei seiner Hauptverwaltung nachfragen, was ziemlich unmündig wirkte. Obwohl meine Frau schon viele Jahre mit ihm arbeitete, war das unbefriedigend und tatsächlich gefiel und diese Beratung besser. Bis zu dem Zeitpunkt…

Wir wollten natürlich Fördermittel mitnehmen und zwar von der KfW. Die Hälfte des Kredites wären dann von der KfW beigesteuert worden und da gibt es wohl keine Provision für diesen Teil. Diese hätte sich demnach für den Vermittler halbiert.  Damals wussten wir das nicht.

So versuchte er uns das erst subtil und im weiteren Verlauf sehr nachdrücklich auszureden. Es würde sich nicht lohnen, macht extrem viel Arbeit, bringt kaum was und verzögerte die Bauzeit… und der Hausverkäufer nickte immer wieder wissend.

Und so standen 2 unerfahrene Bauherren vor der Frage: Baukredit mit oder ohne KfW? Ich denke, ihr kennt das Gefühl.

Uns erschien das Falsch und auch dieser latente Druck machte uns misstrauisch. Es fühlte sich falsch an. Obwohl die Beratung ansonsten gut und vor allem hilfreich war, sagten wir ihn noch während des Termines ab. Auf der Rückfahrt unterhielten sich meine Frau und ich in Ruhe, und wir waren sicher, wir hätten mit ihn die Vermittlung gemacht, wenn er das mit der KfW gelassen hätte.

Aber nunja, er hätte nur 50% bekommen, aber so halt gar nichts…

 

Video / Rechnung: Baufinanzierung aus Sicht des Bauherrn

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