Kniestockerhöhung beim Fertighaus

Massa Haus | Ist eine Kniestockerhöhung sinnvoll??

Kurzform: Wir haben den Kniestock auf 1,40m erhöht und das Ergebnis war sagenhaft. Der Raumgewinn war enorm und hat uns noch eine Überraschung beschert. Daher zeige ich euch hier, was eine Kniestockerhöhung bringt und was man dazu wissen muss.

Was hat uns gefallen und was nicht?

Positiv hat uns gefallen

  • Der Raumgewinn auf beiden Seiten ist enorm
  • Es ist Platz für Schränke, Betten, Sitzecken und Dekoration
  • Auch die Giebelwände sind besser nutzbar
  • Wir brauchten keine Drempelwände
  • Wir konnten eine Installationsebene einbauen
  • Es entstand ein riesiger 60m² Dachboden
  • Insgesamt sehr gutes Preis- / Leistungsverhältnis

Das hat uns nicht so gefallen

  • Es braucht einiges mehr Geld für den Trockenbau, Elektrik und Kleinkram
  • Mehr Arbeit

 Kniestockerhöhung – Was bringt die Erhöhung des Kniestocks wirklich?

Beim Bau eines Fertighauses stellt sich oft die Frage, ob man den Kniestock erhöhen soll. Damit ergibt sich mehr Wohnraum und ein größerer Spitzboden. Die Kosten beim Fertighaus bleiben recht überschaubar und es ist deutlich günstiger, als ein Keller. Ideale Voraussetzungen für eine günstige Bauweise, oder?

Was ist der Kniestock oder auch Drempel?

Definition: Der Kniestock ist die tragende Wand, worauf das Dach aufsitzt. Er wird gerechnet von der Rohdecke bis zur Oberkante der Mauer, worauf die Sparren des Daches aufliegen. Da noch ein Fußbodenaufbau auf die Rohdecke kommt, sollte der Kniestock mindestens 25cm betragen.

Empfohlen wird ein Drempel von mindestens 40cm, besser 80cm. Besonders bei 80cm hat man kleine Stellflächen für Schränke zur Verfügung. Wahlweise kann man bei niedrigem Kniestock eine Wand stellen und den Raum dahinter als Stauraum nutzen. Allerdings würde ich euch wenigstens 100cm, besser 120 oder mehr empfehlen. Wir sind mit 140cm sehr zufrieden, aber bei 150cm könnte man die IDEA Schränke stellen.

kniestock / Kniestockerhöhung
kniestock / Kniestockerhöhung

Was kostet eine Kniestockerhöhung?

Wir haben Ende 2015 ein Angebot von Massa Haus mitnehmen können und einen Gutschein über 10.000€ für eine Kniestockerhöhung erhalten. Allerdings sind diese Angebotspreise nicht aussagekräftig. Ich habe auch schon Angebote für eine kleine Erhöhung für 4-5.000€ gesehen. Wir hatten beim Lifestyle 4 25cm Kniestock und konnten diesen auf 1,40m ohne Aufpreis erhöhen. Das war beim Lifestyle 4 das Maximum, da es von Haus aus sehr groß ist. Bei anderen Häusern können es bis zu 1,80m werden.

Je nach Statik und Aufwand kann der Preis für den Kniestock auch bei 12 – 15.000€ liegen.

Zusatzkosten:

Denkt auch dran, dass zu den Kosten noch weitere Kosten entstehen, da man ja nun mehr Material und Arbeitszeit für den Ausbau benötigt.

  • Ihr habt mehr Wandfläche die mit Dämmung, Dampfsperre, Trockenbau und Elektrik bestückt werden muss
  • Auch die Giebelwände sind größer
  • Durch die größere Fläche braucht ihr evtl. auch mehr Fenster
  • Es entsteht ein größerer Dachboden, der evtl. leicht ausgebaut werden muss
  • Eine größere Dachluke könnte sinnvoll sein
  • Evtl. weitere Dach- oder Giebelfenster

Wir konnten mit der Kniestockerhöhung auch ein weiteres Problem lösen. Laut Bebauungsplan musste unser Dach mindestens 40° Dachneigung haben, aber Fertighäuser sind meist 38° und durch die Erhöhung wurde das gleich kostenlos angepasst.

10.000€ sind daher nur ein Richtwert, aber ihr solltet euch in jedem Fall ein Angebot dazu machen lassen. Ein erhöhter Drempel ist echt praktisch.

  • Preis Kniestockerhöhung: 4 -12.000€

Zusätzlich kommen Kosten für Mehrarbeiten durch Elektro, Trockenbau und Malern hinzu.

Vorteile der Kniestockerhöhung

Die damaligen Angebote von Massa waren Dinge, die ich auch später einbauen konnte ( Küche, Garage usw. ) bis auf die Kniestockerhöhung. Diesen nachträglich zu erhöhen erschien uns unsinnig und so nutzten wir das Angebot für das Lifestyle 4. Damit wurden aus 179m² satte 210m² und wir haben einen Spitzboden mit 60m² Nutzfläche.

Damit wird aus einer halben eine vollwertige Etage und wir können an der Wand fast stehen. Die Räume wirken viel größer und wohnlicher. Vor allem kann man die Wände für Schränke, Deko oder Fenster nutzen.

Die Kinnlade fiel uns regelrecht runter, als wir den Spitzboden gesehen haben. War der riesig! Ich kann auf 2m normal stehen, bevor die die Sparren kommen. Damit können wir nun den zweiten Technikraum ins Dach verlegen, Platz für eine Werkstatt ist auch noch und Stauraum an den Seiten ebenfalls.

Der Kniestock sorgt für einen deutlich höheren Wiederverkaufswert.

Nachteil einer Kniestockerhöhung

Mehr Raum heißt auch mehr Ausbaukosten. Ihr braucht mehr Dämmwolle, Rigips, Tapete und evtl. Elektrik. Bei uns dürfte das sich auf etwa 2.000€ summieren. Lasst ihr es von einer Firma machen, wird es auf ca. 5.000€ hinaus laufen.

Die Fenster im Dach sind deutlich höher. Da nun der Kniestock höher sitzt, fangen bei uns die Fenster bei 1,50m an. Man kommt noch halbwegs gut an den Fenstergriff und hinaus sehen ist auch noch drin. Für ein Dachfenster Panorama braucht es aber einen Hocker.

Mehr Quadratmeter brauchen mehr Fensterfläche – laut Gesetz. Die allgemeinen Bauvorschriften regeln die Fensterfläche die ein Raum haben muss. Es kann also sein, dass ihr größere oder mehr Fenster braucht. Wahlweise könnt ihr die Räume kleiner gestalten. Zum Beispiel eine Kammer als Stauraum einplanen, eine Vorbauwand bauen oder eine nicht tragende Wand etwas verrücken.

Welche Genehmigungen benötigt man?

Sehr häufig gibt es im Bebauungsplan entsprechende Vorschriften zum Kniestock. Nicht selten wird er auf eine bestimmte Maximalhöhe festgelegt. Beim Fertighaus wird mit einer Kniestockerhöhung aus einem 1,5 Haus keine vollwertige 2. Etage, zumindest nicht nach Baurecht. Auch das ist ab und zu im Bebauungsplan zu finden.

Wenn ihr ein Fertighaus kauft, dann besprecht ihr eh alles mit dem Architekten und der muss sich nach dem Bebauungsplan richten. Wer dennoch einen höheren Kniestock bauen möchte, der kann das beim Bauamt beantragen. Die Vorbereitungen dafür macht ihr mit dem Architekten und Statiker. Allerdings rate ich dazu, zuerst mit dem Bauamt zu reden, ob das überhaupt eine Chance hat. Falls nicht, spart es zumindest Zeit. Unser Bauamt war echt sehr zugänglich und hat uns oft geholfen. Das kann später viel Geld sparen, wenn man die Eckdaten für den Antrag kennt.

Auch bei einer späteren Erhöhung des Kniestocks solltet ihr die Absprachen mit dem Bauamt vorher machen.

Kniestockerhöhung und Gauben

Gauben sind Anbauten im Dach um Fenster gerade einbauen zu können. Sehr häufig wird das als zusätzliche Lichtquelle beim Ausbau des Dachbodens genutzt. Billiger ist sicherlich ein normales Fenster, aber man gewinnt mit einer Gaube auch zusätzlichen Platz. Große Gauben haben fast schon Wintergarten-Flair und können den Wohnraum im Dach auch optisch aufwerten.

Allerdings ist der Bau einer oder mehrerer Gauben genehmigungspflichtig. Es stellt einen markanten Eingriff am Haus dar und muss dem Bebauungsplan entsprechen. Auch hier gilt, dass das Bauamt die Unterlagen vom Architekten und Statiker benötigt.

Tipp: Gaube mit  zusätzlicher Dämmung verbinden und durch die KfW 430 fördern lassen.

Wenn ihr den Ausbau mit zusätzlicher Dämmung verbindet, könnt ihr einen Förderantrag für die KfW 430 Förderung stellen. Evtl. kommt auch der KfW Kredit 151 / 152 in Frage, der euch einen zinsvergünstigten Kredit und Tilgungszuschuss gewährt.

Würde ich meinen Kniestock / Drempel noch einmal erhöhen?

Ja, definitiv JA!

Selbst wenn es die 10.000€ deutlich überschreiten würde, wäre es mir jede Mark wert. Der Zugewinn an Wohnraum und Spitzboden war irre. Das gleicht den fehlenden Keller definitiv aus und der hätte uns ca. 40.000€ zusätzlich gekostet.

Das Preis- / Leistungsverhältnis einer Kniestockerhöhung ist bemerkenswert.